Ablauf der ES-Positionserstellung
Lagerortstruktur
In jeder Entnahmeschein-Position existieren grundsätzlich drei Lagerorte:
- Reservierungslagerort
- Entnahmelagerort
- Ziellagerort
Die drei Lagerorte sind im einfachsten Fall identisch. Es können jedoch auch Entnahmeschein-Positionen mit einem vom Reservierungslagerort abweichenden Entnahmelagerort oder mit drei unterschiedlichen Lagerorten entstehen.
Im ACL-Fall spielt auch noch ein ACL-Vorlager eine Rolle.
Reservierungslager:
Lagerort, der – bis auf dem LBS-Fall - durch die Bedarfsposition bestimmt wird. Er stellt sozusagen den „Ausgangslagerort" für die drei in der Entnahmescheinpositionen vorhandenen Lagerorten dar.
In der Regel wird die über die Disposition auf diesem Lagerort reservierte Menge durch den Entnahmeschein dort für weitere Entnahmen gesperrt. Später wird die Menge auch von diesem Lagerort entnommen.
Vom Reservierungslagerort kann ggf. über ein zugeordnetes Vorlager ein ACL als Entnahmelager abgeleitet werden.
Entnahmelager:
Der Entnahmelagerort unterscheidet sich nur im ACL-Fall vom Reservierungslagerort.
Ziellager:
Dieser Lagerort wird durch die Angabe eines Ziellagerorts im Entnahmescheinkopf bestimmt und initiiert damit eine Umlagerung von Entnahmelagerort auf einen Ziel- oder Prozesslagerort. Diese Funktion steht für den Bereich Verkauf nicht zur Verfügung.
Im Einkauf wird das Ziellager direkt vom Lieferant abgeleitet und ist daher vom Benutzer nicht verwaltbar.
ACL(Aktiv-Chaotisches-Lager)-Vorlager:
Ein ACL-Vorlager ist ein fiktiver Lagerort, über den auf ein ACL zugegriffen werden kann. Das ACL selbst kann und darf an der Benutzeroberfläche nie direkt angesprochen werden, sondern immer nur auf dem Umweg über ein Vorlager.
Ein gültiger Lagerort wird dann zu einem ACL-Vorlager, wenn er in der Tabelle FRD430 als Argument hinterlegt ist. Über die Angabe hinaus, für welches ACL dieser Lagerort als Vorlager fungiert, sind in dieser Tabelle eine Reihe von Steuerungsparametern zu pflegen, die den Ablauf der Ein- und Auslagerungsprozesse beeinflussen.
Innerhalb der Entnahmeschein-Funktion spielt das ACL-Vorlager – bis auf eine Ausnahme im LBS – nur im Hintergrund eine Rolle.
Mengendefinitionen
Bedarfsmenge:
Komplett- oder Teilmenge der Bedarfsposition, die in Entnahmeschein-Hauptposition gespeichert ist. Die Menge wird in einigen Programmen nicht direkt von der Hauptposition gelesen, sondern bestimmt:
Bedarfsmenge = Bedarfsmenge(Hpos) – Rückmelde-/Versand-/Umbuchungsmenge
Zugeteilte Menge:
Menge, für die der Entnahmescheinbestand gebucht wurde. Die Menge wird für die Lagerortebene in der Entnahmeschein-Hauptposition und für die Ressourcenebene (Lagerplätze/Chargen) auf der/den Entnahmeschein-Unterposition(en) gespeichert.
Die Summe der Mengen auf Haupt- und Unterpositionen gibt den Entnahmeschein-Bestand wieder, der für diesen Artikel mit dieser Entnahmeschein-Position auf dem jeweiligen Lagerort gebucht wurde.
Auf dem Hauptpositionsdateisatz steht - je nach Positionszustand und Positionsart – unterschiedliche Informationen:
Bei ressourcenpflichtigen Hauptpositionen steht entweder die komplette Bedarfsmenge (noch keine Ressourcenposition vorhanden), eine Teilmenge (noch nicht ausreichend Ressourcen zugeordnet) oder die Menge 0 (ausreichend Ressourcen zugeordnet).
Bei nicht-ressourcenpflichtigen Hauptpositionen stellt die zugeteilte Menge also den gebuchten Entnahmebestand dar.
Maximalmenge:
Im Entnahmescheinkopf kann eine maximale Menge pro Beleg angegeben werden, gegen welche bei jeder neuen oder geänderten Entnahmescheinposition geprüft wird.
Ist die Maximalmenge erreicht oder überschritten, erfolgt eine Meldung, die den Benutzer ggf. zur Erstellung eines weiteren Entnahmescheins veranlasst.
Da völlig unterschiedliche Artikel auf einem Beleg zusammengefasst werden, ist eine sinnvolle Mengeneinheit – z.B. Stück - für die Maximalmenge anzugeben. Ohne gültige Umrechnungsmengeneinheit kommt kein repräsentatives Ergebnis zustande.
Maximale Packstückmenge:
Im Entnahmescheinkopf kann neben der Maximalmenge auch eine maximale Packstückmenge pro Beleg angegeben werden, gegen welche bei jeder neuen oder geänderten Entnahmescheinposition geprüft wird.
Ist die Menge erreicht oder überschritten, erfolgt eine Meldung, die den Benutzer ggf. zur Erstellung eines weiteren Entnahmescheins veranlasst.
Für diese Funktion ist im jeweiligen Artikelstamm ein Packstück.
Entnahmescheinarten
Um eine vorläufige Kommissionierung durchführen zu können, existiert die Entnahmescheinart Plan-Entnahmeschein.
Durch die Zuweisung dieser Art im Entnahmescheinkopf kann ein Entnahmeschein erzeugt werden, auf den bei einer späteren, endgültigen Entnahmescheinerstellung referenziert werden kann (Einzel-Entnahmeschein abrufen).
Aus einem Plan-Entnahmeschein können also mehrere endgültige Entnahmescheine erstellt werden.
Entnahmescheinart: | E | ... | Endgültiger Entnahmeschein |
P | ... | Plan-Entnahmeschein |
Entnahmescheine können auch über die Verarbeitungsart unterschiedlichen Charakter haben.
Die Entnahmeschein-Verarbeitungsart '2' (= nicht reservieren) bewirkt nur eine Zuordnung des Materials zum Entnahmeschein, eine Reservierung erfolgt jedoch nicht.
Löscht man einen solchen Entnahmeschein, so wird diese Zuordnung wieder aufgehoben, Bestände werden nicht geändert.
ES-Verarbeitungsart: | 1 | ... | Reservieren |
2 | ... | Nicht reservieren |
Die ES-Verarbeitungsart „2" kann nur für Plan-Entnahmescheine verwendet werden.
Bestandsbuchungen
Bei der Verarbeitung von Aus-/Umlagerungen über Entnahmescheine werden im Wesentlichen drei Bestände gebucht:
- Verkaufsauftragsbestand VABE (VKS) bzw. Fertigungsreservierungsbestand FRBE (PPS/EKS)
- Entnahmescheinbestand ESBE
- Lagerbestand LABE
VKS-Buchungen
In den verschiedenen Verarbeitungsstadien eines Entnahmescheins erfolgen dabei folgende Buchungen. Bei der Darstellung wurde auf die Zuordnung von Chargen- bzw. Lagerbeständen verzichtet:
Verarbeitung ohne ACL (Auslagerung, VKS):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf Reservierungslager
2. Lieferscheinerstellung
- ESBE auf Reservierungslager
- LABE auf Reservierungslager
- VABE auf Reservierungslager
Verarbeitung mit ACL (VKS):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf ACL (nach Verarbeitung von ACL-Request)
2. Umlagerung ACL über Vorlager auf Reservierungslager
- ESBE auf ACL
- LABE auf ACL
+ LABE auf Reservierungslager
+ ESBE auf Reservierungslager
3. Lieferscheinerstellung
- ESBE auf Reservierungslager
- LABE auf Reservierungslager
- VABE auf Reservierungslager
PPS-Buchungen
Verarbeitung ohne ACL (Umbuchung auf Ziellager, PPS):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf Reservierungslager
2. Rückmelden auf Entnahmescheinposition
- ESBE auf Reservierungslager
- LABE auf Reservierungslager
+ ESBE auf Ziellager
+ LABE auf Ziellager
3. Abbuchen über den Fertigungsauftrag
- ESBE auf Ziellager in max. Höhe der umgebuchten Menge
- LABE auf Ziellager in verbrauchter Menge
- FRBE auf Reservierungslager in verbrauchter Menge. Beschränkung auf reservierte Menge, bzw. bei einer Komplettausbuchung wird auf die reservierte Menge runtergebucht.
Verarbeitung mit ACL (Umbuchung auf Ziellager, PPS):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf ACL (nach Verarbeitung von ACL-Request)
2. Rückmelden Entnahmescheinposition, Umlagerung ACL
- ESBE auf ACL
- LABE auf ACL
+ LABE auf Vorlager
+ ESBE auf Vorlager
- ESBE auf Vorlager
- LABE auf Vorlager
+ LABE auf Ziellager
+ ESBE auf Ziellager
3. Abbuchen über den Fertigungsauftrag
- ESBE auf Ziellager in max. Höhe der umgebuchten Menge
- LABE auf Ziellager
- FRBE auf Reservierungslager in verbrauchter Menge. Beschränkung auf reservierte Menge, bzw. bei einer Komplettausbuchung wird auf die reservierte Menge runtergebucht.
Verarbeitung ohne ACL (Abbuchung):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf Reservierungslager
2. Rückmelden auf Entnahmescheinposition
- ESBE auf Reservierungslager
Abbuchung (BDE-Transaktion)
- LABE auf Reservierungslager
- FRBE auf Reservierungslager in verbrauchter Menge. Beschränkung auf reservierte Menge, bzw. Bei einer Komplettausbuchung wird auf die reservierte Menge runtergebucht.
Verarbeitung mit ACL (Auslagerung mit sofortiger Verbrauchsbuchung):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf ACL
2. Rückmelden auf Entnahmescheinposition, Umlagerung ACL,
Absetzen BDE-Transaktion MT/MK
- ESBE auf ACL
- LABE auf ACL
+ LABE auf Vorlager
+ ESBE auf Vorlager
- ESBE auf Vorlager
- LABE auf Vorlager
+ LABE auf Reservierungslagerort
+ ESBE auf Reservierungslagerort
BDE-Transaktionsverarbeitung:
- ESBE auf Reservierungslagerort
- LABE auf Reservierungslagerort
- FRBE auf Reservierungslager in verbrauchter Menge. Beschränkung auf reservierte Menge, bzw. bei einer Komplettausbuchung wird auf die reservierte Menge runtergebucht.
LBS-Buchungen
Verarbeitung ohne ACL (Umbuchung auf Ziellager):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf Reservierungslager
2. Rückmelden auf Entnahmescheinposition
- ESBE auf Reservierungslager
- LABE auf Reservierungslager
+ LABE auf Ziellager
Verarbeitung mit ACL (Umbuchung auf Ziellager):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf ACL
2. Rückmelden Entnahmescheinposition, Umlagerung ACL
- ESBE auf ACL (über Vorlager)
- LABE auf ACL (über Vorlager)
+ LABE auf Ziellager
Verarbeitung ohne ACL (Abbuchung):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf Reservierungslager
2. Rückmelden auf Entnahmescheinposition
- ESBE auf Reservierungslager
- LABE auf Reservierungslager
Verarbeitung mit ACL (Auslagerung):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf ACL
2. Rückmelden auf Entnahmescheinposition
- ESBE auf ACL
- LABE auf ACL
+ LABE auf Vorlager
+ ESBE auf Vorlager
- ESBE auf Vorlager
- LABE auf Vorlager
EKS-Buchungen
Beim EKS-Entnahmeschein werden zwei unterschiedliche Arten von EKS-Entnahmescheinen unterschieden:
- Entnahmeschein für Beistellartikel pro Bestellung:
- Erstellung über Bestellung
- keine Mengenänderung möglich
- Entnahmeschein über Beistellartikel mehrerer Bestellungen eines Lieferanten (Sammelbeleg):
- Erstellung über Entnahmescheinexplorer US22009
- Mehrmengen können umgebucht werden
- Freie Bestände auf Lieferantenbeistelllager werden berücksichtigt
Wird über Tabelle VRLE39 mit Entnahmeschein der zweiten Art (Sammelbeleg) gearbeitet, wird bei der Umbuchung auf das Lieferantenbeistell-Lager zusätzlich auch noch der Entnahmescheinbestand gebucht, um ggf. die sog. freien Bestände auf dem Lieferantenbeistell-Lager aufbauen zu können.
Verarbeitung ohne ACL (Umbuchung auf Lieferantenbeistelllager):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf Reservierungslager
2. Rückmelden auf Entnahmescheinposition
- ESBE auf Reservierungslager
- FRBE auf Reservierungslager (Reservierungsbestand)
- LABE auf Reservierungslager
+ LABE auf Lieferantenbeistelllager
+ ESBE auf Lieferantenbeistelllager (nur bei Sammelbeleg)
- ESBE auf Lieferantenbeistelllager von Mehrmenge (nur bei Sammelbeleg
3. Wareneingang
- LABE auf Lieferantenbeistelllager
- ESBE auf Lieferantenbeistelllager (nur bei Sammelbeleg)
Verarbeitung mit ACL (Umbuchung auf Lieferantenbeistelllager):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf ACL
2. Rückmelden Entnahmescheinposition, Umlagerung ACL
→ Lieferantenbeistelllager
- ESBE auf ACL bzw. Vorlager
- LABE auf ACL bzw. Vorlager
- Reservierungsbestand auf ACL
+ LABE auf Lieferantenbeistelllager
+ ESBE auf Lieferantenbeistelllager (nur bei Sammelbeleg)
- ESBE auf Lieferantenbeistelllager von Mehrmenge (nur bei Sammelbeleg
3. Abbuchen über Wareneingang
- LABE auf Lieferantenbeistelllager
- ESBE auf Lieferantenbeistelllager (nur bei Sammelbeleg)
Projekt-Buchungen (BIA)
Verarbeitung ohne ACL (Umbuchung auf Ziellager):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf Reservierungslager
2. Rückmelden auf Entnahmescheinposition
- ESBE auf Reservierungslager
- LABE auf Reservierungslager
+ LABE auf Ziellager
Verarbeitung mit ACL (Umbuchung auf Ziellager):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf ACL
2. Rückmelden Entnahmescheinposition, Umlagerung ACL
- ESBE auf ACL (über Vorlager)
- LABE auf ACL (über Vorlager)
+ LABE auf Ziellager
Verarbeitung ohne ACL (Abbuchung):
1. Erzeugung von Entnahmescheinpositionen
+ ESBE auf Reservierungslager
2. Rückmelden auf Entnahmescheinposition
- ESBE auf Reservierungslager
- LABE auf Reservierungslager
Prüfung der Entnahmefähigkeit
Vor der Erzeugung von Entnahmeschein-Haupt- oder –unterpositionen wird eine Art Verfügbarkeitsprüfung durchgeführt. Damit wird verhindert, dass von einem Artikel mehr zugeteilt wird, als dass tatsächlich entnahmefähiger Bestand auf dem Lager vorhanden ist.
Die im Rahmen der Entnahmescheinverwaltung zuteilbare Menge wird dabei folgendermaßen definiert:
| Lagerbestand | |
| - | gebuchter Entnahmescheinbestand |
| = | verfügbarer Entnahmebestenad |
Über modulspezifische Vorlaufparameter bzw. über VRLU32 kann die Ebene festgelegt werden, von der die genannten Bestände heranzuziehen sind:
- Artikel gesamt
- Lagergruppe
- Lagerort (Normalfall)
Reservierungslagerort mit ACL:
Ist das angegebene Reservierungslager mit einem ACL verknüpft, so werden lediglich Lager- und Entnahmescheinbestand des ACL's berücksichtigt.
Nicht reservierte Bestände auf dem Reservierungs- bzw. Ziellager werden bei der Verfügbarkeitsprüfung nicht beachtet.
Im Bereich PPS wird für diesen Fall die Funktion „Zuordnen freie Bestände" zur Verfügung gestellt.
Negative Bestände zulassen:
Über modulspezifische Vorlaufparameter kann festgelegt werden, dass auch ohne ausreichenden Lagerbestand eine Entnahmeschein-Bestandsbuchung durchgeführt und somit auch ein Beleg (Entnahmeschein) erzeugt werden kann.
Entnahmescheinobjekte
Überblick
Dateien | |
UKWESP | Benutzereinstellungen |
UEKOPP | Entnahmescheinkopf |
UEPOSP | Entnahmescheinpositionsdatei
|
UEASTP | Mengenabhängige Zuordnung Auslagerungsstrategie (nur für ACL relevant) |
Entnahmescheinkopf
Das Objekt „Entnahmescheinkopf" ist die Basis für die Bildung eines Entnahmescheins mit mehreren Entnahmescheinpositionen.
Der Entnahmeschein-Kopf wird vor der Bildung eines Entnahmescheines entweder manuell erstellt oder durch eine spezielle modulspezifische Transaktion implizit erzeugt. Beispiele sind der Entnahmeschein aus dem Modul EKS oder der Entnahmeschein VKS aus der Verkaufsauftragsübersicht (VK20090R).
Die implizite Erstellung kann in den Fällen durchgeführt werden, in denen pro Bedarfsobjekt (Verkaufs-, Fertigungsauftrag, Bestellung) nur ein Entnahmeschein gebildet wird.
Entnahmescheinpositionen
Hauptpositionen:
Die Entnahmeschein-Hauptpositionen repräsentieren in der Regel die Bedarfe (Komplett- oder Teilmenge) aus den Bereichen Einkauf, Fertigung oder Verkauf auf Artikel- und Lagerortebene.
Ressourcen (Unterpositionen):
Entnahmeschein-Unterpositionen werden nur für ressourcenpflichtige Entnahmeschein-Hauptpositionen erstellt. Ressourcenpflicht besteht, wenn ein Artikel chargenpflichtig oder der Lagerort lagerplatzpflichtig ist. In diesen Fällen muss zur Durchführung des Entnahme- bzw. Umlagerungsvorgangs eine genauere Spezifikation als nur auf den Lagerort des Entnahmebestands erfolgen.
Die Zuordnung kann alternativ vom Benutzer im Dialog oder automatisch im Hintergrund erfolgen. Wie die automatische Zuordnung erfolgen soll, wird über die Tabelle VRLU32 anwendungsspezifisch festgelegt.
Zusammengefasste Positionen (PPS-Bedarfe bzw. EKS-Sammelbeistell-Beleg):
Für die Fertigung bzw. die Einkaufs-Beistellung ist eine Zusammenfassung von gleichartigen Bedarfen unterschiedlicher Verursacher zu einer Entnahmeschein-Hauptposition möglich.
D.h., es werden die Bedarfe der PPS-Materialpositionen bzw. Beistellpositionen mit gleicher Artikelnummer und gleichem Lagerort von unterschiedlichen Fertigungsaufträgen bzw. Bestellungen zu einer Entnahmeschein-Hauptposition zusammengefasst werden.
Für die Verwaltung solcher „Sammel"-Hauptpositionen werden aus programmtechnischen Gründen sog. „zusammengefasste Entnahmeschein-Positionen" erstellt, die die auftragsspezifischen Anteile an der Hauptposition wiederspiegeln.
Über die Kontextmenü-Funktion „PPS-/EKS-Positionen" kann das Lösen von einzelnen Verursacherpositionen aus einer Sammelposition erfolgen.
Statusfelder
Für die Zustandsbeschreibung des Entnahmescheins und der Entnahmeschein-Positionen gibt es unterschiedliche Statusfelder auf Kopfebene:
ES-Kopfstatus (FRD433):
Für den Entnahmeschein-Kopf existiert ein allgemeiner Entnahmescheinstatus, der Auskunft darüber gibt, ob der Entnahmeschein unbearbeitet, gedruckt oder bereits erledigt ist.
Neben dem allgemeinen Kopfstatus gibt es noch für den ACL-Fall den ACL-Anforderungs- und Rückmeldestatus.
ES-Anforderungsstatus (FRD431):
Der Anforderungsstatus gibt Auskunft, ob eine ACL-Auslagerungsanforderung noch ansteht, ob sie fehlerhaft war, ob die Anforderung durchführbar war oder ob die Anforderungen für die einzelnen Unterpositionen realisiert werden können.
ES-Rückmeldestatus (FRD432):
Der Rückmeldestatus gibt Auskunft, ob die Positionen teilweise oder komplett aus- bzw. umgelagert wurden.
Neben den Kopfinformationen gibt es noch auf Positionsebene ähnliche Statusfelder:
Positionsstatus (FRD436):
Gibt Auskunft darüber, ob die Position gedruckt, teilbeendet oder beendet ist.
ACL-Positionsstatus (FRD437):
Gibt über die Situation bezüglich der ACL-Bearbeitung Auskunft.
Verbindung zu aktiv chaotischem Lager(ACL)
Relation Reservierungslagerort-Vorlager-ACL
Wird ein Entnahmeschein mit Reservierungslagerorten erstellt, die über die Zuordnung im Lagerstamm auf ein Vorlager verweisen (US16600R), so werden dadurch indirekt aktiv chaotische Lagerorte angesprochen.
Die Entnahmebestandsreservierung wird also automatisch auf dem ACL-Lagerort vorgenommen.
| 1: Reservierung z.B. aus VKS 2: Reservieren Lagerplatz in ACL 3: Umbuchung von ACL auf Reservierungslager 4: Abbuchung von Res.Lager z.B. über Lieferschein |
Neben dem eigentlichen Entnahmevorgang aus dem ACL und der Umbuchung auf das Reservierungslager kann auch eine Umlagerung vom ACL zu einem Ziellager (Prozess-/Produktionslager) erfolgen.
Umlagerung auf Ziellagerort (nur PPS/EKS):
| 1: Reservierung aus PPS/EKS-Beisstellung 2: Reservieren Lagerplatz in ACL 3: Umbuchung von ACL auf Ziellager über Vorlager 4: Abbuchung über PPS-Rückmeldung/EKS-WE |
Die Entnahmescheinerstellung liefert also den Anstoß zur Umlagerung vom ACL auf das Ziellager bzw. die Auslagerung aus dem ACL heraus.
Nach der Ermittlung der auszulagernden Lagerhilfsmittel werden diese Informationen in der Entnahmescheinpositionsdatei fortgeschrieben, die dann die Grundlage weiterer Aktionen in der jeweiligen Anwendung ist. Nach der tatsächlich erfolgten Lagertransaktion werden die Bestände von dem ACL-Lager abgebucht und ggf. auf dem Ziellager entsprechend zugebucht.
Anstoß der ACL-Um-/Auslagerung
Die Anforderung für Um- bzw. Auslagerungen aus einem ACL erfolgt aus der Entnahmescheinverwaltung heraus.
Um das angeforderte Material aus dem ACL entnehmen zu können, muss über die Entnahmescheinverwaltung ein sogenannter Auslagerungs- oder Umlagerungsrequest erzeugt werden.
Bei vollautomatischer Verarbeitung der Entnahmeanforderung (nur VKS) erfolgt dies ohne Benutzereingriff.
Bei VKS-Anforderungen handelt es sich stets um eine Umbuchungsanforderung vom ACL-Lager auf das Reservierungslager, da im VKS der Lagerabgang erst mit der Lieferscheinerstellung vollzogen wird. Im VKS-Fall sind Reservierungslager und Ziellager identisch.
Bei der EKS-Umlagerung auf Lieferantenbeistelllager ist der Ziellagerort aus dem Lieferanten abgeleitet und Ziel- und Reservierungslagerort sind unterschiedlich.
Im PPS und im LBS kann es sich sowohl um Umlagerungs- als auch Auslagerungsanforderungen handeln. D.h. bei unterschiedlichem Ziel- und Reservierungslager findet eine Umlagerung statt.
Bei identischen Lagerorten wird eine sofortige Abbuchung des Materials initiiert.
Ablauf im ACL
Die ACL-Anforderung kann bekanntlich auf drei verschiedene Arten umgesetzt werden:
- angehalten
- bedingt automatisch
- vollautomatisch
Unabhängig davon kann im ACL mit bzw. ohne Rückmeldungen gearbeitet werden.
Die Verarbeitungsart 'angehalten' ist uninteressant, da keine Lagerplätze ermittelt sind, die der Entnahmeschein-Verwaltung vom LBS gemeldet werden müssen.
Die Verarbeitungsart 'bedingt angehalten' ermittelt und reserviert schon Lagerplätze; gebucht hingegen wird hier tatsächlich noch nichts. Der Hintergrund dieser Verarbeitungsart ist der, dass dem Anwender noch die Gelegenheit gegeben werden soll, einen Blick auf die vom System ermittelten Lagerplätze und Lagerhilfsmittel zu werfen, bevor die Buchung durchgeführt wird.
Mit Reservierung der Lagerplätze und der Lagerhilfsmittel erfolgt automatisch eine Überstellung der ermittelten Ressourcen an die Entnahmeschein-Verwaltung.
Dies äußert sich so, dass zu der verursachenden Entnahmescheinposition Unterpositionen (Ressourcen) hinzugefügt werden und eine Mengen- und Statusanpassung vorgenommen wird.
Besondere Bearbeitungsmöglichkeiten
Wird im ACL ein Request gelöscht, welcher sich auf eine Entnahmescheinposition bezieht, wird auch die entsprechende Unterposition im Entnahmeschein gelöscht.
Umgekehrt wird durch Löschen der Entnahmescheinunterposition auch ein Löschen der Requestposition durchgeführt.
Aus der Entnahmeschein-Unterpositionsverwaltung kann über das Kontextmenü im Entnahmescheinexplorer in die ACL-Requestverwaltung verzweigt werden.
Auslagerungsstrategie-Suchdaten
Durch das Programm US22060R kann für die Auslagerung z.B. von Kleinmengen eine Auslagerungsstrategie für Anwendungsgebiet, Artikelnummer und Auslagerungsmenge hinterlegt werden.
Wird dort eine passende Angabe bei der Request-Erstellung aus dem Entnahmeschein gefunden (US22040R), so wird die Angabe für die Auslagerungsstrategie von Vorlauftabelle VRLU31 übersteuert.
Fallbeispiele
Nachfolgende werden einige Einsatzbeispiele der ES-Funktion aus unterschiedlichen Anwendungsgebieten dargestellt.
VKS:
Kommissionierung pro Tour und Woche:
Am häufigsten wird wahrscheinlich die ES-Funktion im Bereich der VKS-Kommissionierung eingesetzt.
Die Ware soll z.B. aufgrund der im Auftrag angegebener Tour und der Kalenderwoche kommissioniert werden. Bevor der eigentliche Entnahmeschein erstellt wird, kann über das Programm VK22500R geprüft werden, welche Positionen bzw. welche Aufträge kommissionierfähig sind und welche noch nicht. Wird ausgewiesen, dass ausreichend Ware zum Versand bereit ist, kann mit der Kommissionierung begonnen werden.
Es wird ein neuer VKS-Entnahmeschein mit Angabe der Tour und der Wunschwoche als Selektionsdaten erstellt.
Vorkommissionierung:
Die Kommissionierung findet in zwei Stufen statt. Zuerst werden alle Positionen, die in den nächsten 5 Tagen geliefert werden sollen, auf einen sogenannten Planentnahmeschein genommen (Kommissioniervorrat für eine Woche). Damit verschwinden die Bedarfe aus dem Kommissioniervorrat.
Zwei Tage später werden diese Planentnahmescheine in mehrere kleine Entnahmescheine z.B. pro Tour überführt.
Auftragsbezogene Kommissionierung
Für die auftragsbezogene Kommissionierung kann direkt vom Auftrag aus automatisch ein Entnahmeschein erstellt werden.
PPS:
Materialabbuchung:
Der Entnahmeschein dient für die Materialbereitstellung für die Aufträge, die z.B. in einer Woche gefertigt werden sollen (Wochenmaterialbedarf). Über die Selektion mit dem Materialbedarfsdatum von-bis werden alle Materialpositionen ggf. auf einen Entnahmeschein zugeordnet.
Eine Kommissionierung erfolgt pro Lagerort.
Die Materialien werden nach erfolgter Kommissionierung sofort abgebucht.
Umbuchung auf Prozesslager:
Statt der oben beschriebenen Abbuchung kann auch eine Umbuchung auf ein Prozesslager erfolgen. Die Abbuchung geschieht dann z.B. retrograd.
Diese Vorgehensweise entspricht dem tatsächlichen Materialfluss und nimmt die Verbrauchsbuchung nicht wie bei der Materialabbuchung vorweg.
Um-/Abbuchung von Beistellmaterial für Verlängerte Werkbank:
Bei der Selektion werden der Fertigungsauftrag, der externe Arbeitsgang oder bei einer auftragsanonymen Beistellung das Kennzeichen „Beistellung" angegeben.
Je nach Um- oder Abbuchung wird noch ein Ziellager im Entnahmescheinkopf angegeben.
Nach der Kommissionierung erfolgt die Um- bzw. Abbuchung.
EKS:
Kommissionierung Beistellartikel:
Bei Kaufartikeln, denen noch Artikel aus dem eigenen Lager beigestellt werden, kann ein EKS-Entnahmeschein verwendet werden.
Der Artikel muss als Beistellartikel deklariert sein, um bei der Bestellung entweder eine Beistellstückliste, ein Beistellartikel aus dem Lieferantenartikelstamm oder manuelle Beistellpositionen hinzufügen zu können.
Mit dem EKS-Entnahmeschein wird eine Umbuchung auf das Lieferantenlager durchgeführt.
Kommissionierung Beistellartikel für Verlängerte Werkbank:
Bei einer Bestellung eines Dienstleistungsartikels, welcher aus dem Arbeitsplan eines Fertigungsauftrags hervorging, können auch die PPS-Materialpositionen als Beistellartikel hinzugefügt werden.
Die Umbuchung der Artikel geschieht über den EKS-Entnahmeschein.
Beistell-Sammelbeleg:
Über die Vorlauftabelle VRL E39 und Parameter 19 (Entnahmeschein als Sammelbeleg) kann auch ein Sammelbeleg für einen Lieferanten und verschiedene Bestellungen erstellt werden. Dabei werden die Bedarfe für einen Artikel zusammengefasst, so dass eine optimierte Umlagerung der Beistellartikel zum Lieferant möglich ist.
In VRLE39 ist für diesen Prozess auch der angegebene Buchungsschlüssel (Parameter 07) zu prüfen. Im Gegensatz zur Beistellung pro Bestellposition wird hier auch auf dem Lieferantenbeistelllager der Entnahmescheinbestand gebucht und so lange aufrecht erhalten, bis der Wareneingang erfolgt.
Dadurch können auch schon freie Bestände beim Lieferanten berücksichtigt werden, die durch die frühere Umlagerung von ganzen Gebinden (Sprungmenge im Artikelstamm) zustande gekommen sind.
LBS:
Mehrverbrauch in Prozesslager:
Wird im PPS-Bereich mit einem Prozesslager gearbeitet, welches über den PPS-Entnahmeschein mit Material versorgt wird, kann der LBS-Entnahmeschein für den Materialnachschub verwendet werden, wenn mehr verbraucht wurde, als geplant.
Materialtransfer an andere Produktionsstätte:
Der LBS-Entnahmeschein kann auch für Materialtransfers von einer Produktionsstätte zu einer anderen verwendet werden.
Wird noch eine Adresse im Entnahmescheinkopf angegeben, kann ein Lieferbeleg erstellt werden, welcher als Warenbegleitschein für den Spediteur dienen kann.
Projekte:
Kommissionierung in ein Kommissionslager:
Für Projekte werden u.U. lagerhaltige Materialien zusammengestellt um diese auf eine Baustelle, etc. zu verschicken. Dazu können in Projekten Kommissionierfreigaben erteilt werden und direkt im Anschluss ein Entnahmenschein mit einem Projekt-spezifischen Komissionslager erstellt werden. Der Entnahmescheinbeleg wird dann zur Kommissionierung verwendet. Nach erfolgreicher Kommissionierung erfolgt eine Umbuchung der Materialien auf das Ziel- bzw.- Kommissionslager.
Auf Basis des Projekt-Entnahmescheines kann auch direkt ein Lieferschein erzeugt werden. Der Aufruf dieser Funktion kann aus der Entnahmescheinverwaltung für Projekt-Entnahmescheine ausgeführt werden.
Materialverbrauch :
Der Projekt-Entnahmeschein kann auch für Materialabbuchungen verwendet werden. Dazu darf im Entnahmescheinkopf kein Ziellager angegeben werden.


