Das Kennzeichen "Automatische Verbrauchsbuchung" steuert, ob und wie eine Materialkomponente im Rahmen einer automatischen retrograden Materialrückmeldung vom Lager abgebucht wird. Gültige Ausprägungen: Eine Lagerabgangsbuchung erfolgt auch im Rahmen von anderen Rückmeldungen automatisch retrograd, ohne Ausgabe eines Lagerbuchungssatzes. Die Abgangsbuchung ist nur für die Auftragsnachkalkulation relevant. Anwendungsbeispiel: Schüttgut-Steuerung. Bei Kanban-Artikeln ist der Zusammenhang mit den Einstellungen der Vorlauftabelle VRLU37 (Vorlaufdaten KANBAN-Steuerung) zu beachten. Wert Kurzbeschreibung Beschreibung 0 Nein. Eine Lagerabgangsbuchung erfolgt nur im Rahmen einer manuellen Materialrückmeldung. 1 Ja, mit Lagerabgangsbuchung. Eine Lagerabgangsbuchung erfolgt auch im Rahmen von anderen Rückmeldungen automatisch retrograd, inklusive Ausgabe eines Lagerbuchungssatzes. 2 Ja, aber ohne Lagerabgangsbuchung.
Ob eine automatische retrograde Materialverbrauchsbuchung initiiert wird oder nicht hängt u. A. mit der bislang aufgelaufenen Verbrauchsmenge der Materialposition zusammen.
Hierbei kann es bei Fertigungsausschüssen, welche nicht über eine Hinterlegung eines "Fertigungsausschuss in Prozent" in der Materialposition selbst, sondern über die Angabe von Fertigungsausschüssen in Gang- oder Fertigungsauftrags-(teil-)enderückmeldungen kommen, passieren, dass keine automatische retrograde Materialverbrauchsbuchung initiiert wird, obwohl der Materialverbrauch ohne Berücksichtigung der Ausschussmenge noch nicht dem Materialbedarf entspricht. Dies obliegt der Ursache, dass die Materialrückmeldung selbst, keinen Fertigungsausschuss per se kennt und somit im Nachhinein nicht mehr herausgerechnet werden kann.
In diesen Fällen muss der restliche Materialverbrauch mit einer manuellen Materialrückmeldung gebucht werden.
Varianten der Berechnung der Notwendigkeit einer Erzeugung von retrograden Materialverbrauchsbuchungen
Die Entscheidung, ob eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt werden soll oder nicht, kann in unterschiedlichen Varianten eingestellt werden.
Aufgrund der Komplexität und Permutationsvielfalt können sicherlich nicht alle individuellen Sachverhalte abgebildet werden. Diese müssen dann ggf. kundenspezifisch angepasst werden.
Entscheiden sie aufgrund ihrer individuellen Anforderungen, welche Variante besser zu ihren Prozessen passt.
Folgend einige Beispiele zur Verdeutlichung:
| Variante 1 | Variante 2 | |
|---|---|---|
| Kurzbeschreibung | Die Entscheidung, ob eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt wird oder nicht, Ist die Gesamtmenge des Materialverbrauchs nicht ausreichend, wird eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt. Bei Auftrags-(teil-)endemeldungen wird ein eventueller prozentual hinterlegter Fertigungsausschuss bezogen auf die Gesamtmenge berechnet. Hinweis: Alle Beispiele aus infinite decken sich 1:1 zu den Ergebnissen aus obs. | Die Entscheidung, ob eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt wird oder nicht, Ist die Gutmenge oder Ausschussmenge des Materialverbrauchs nicht ausreichend, wird eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt. |
| Aktivierung | Default | Registry: FEATURE_PW2AUSSCHUSS = '1' (verfügbar ab Juni 2026; auch KIDN-spezifisch testbar) |
| Annahme | Materialposition 10 ist per Artikelart über die FRD168 als "automatisch verbrauchsgebucht" eingestellt. | |
| Szenario A | Prozentualer Fertigungsausschuss spielt grundsätzlich keine Rolle. | |
| Beispiel A1 | Es werden zwei GT-Meldungen mit folgenden Mengen durchgeführt: | |
Zur ersten GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 110 Stück erzeugt. Zur zweiten GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 220 Stück erzeugt. Die anschließende AT-Meldung über eine Gutmenge von 330 Stück betrachtet hier bei der Entscheidung, ob eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt werden soll oder nicht, die Summe der verbrauchten Gesamtmenge der MT-Meldungen von 330 Stück. Bis zu einer Gutmenge von 330 Stück ist der Materialbedarf komplett abgedeckt und es wird keine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt. | Zur ersten GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 110 Stück erzeugt, davon 100 Stück als Gutmenge und 10 Stück als Ausschussmenge. Zur zweiten GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 220 Stück erzeugt, davon 200 Stück als Gutmenge und 20 Stück als Ausschussmenge. Die anschließende AT-Meldung über eine Gutmenge von 330 Stück betrachtet hier bei der Entscheidung, ob eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt werden soll oder nicht, die Summe der verbrauchten Gutmengen der MT-Meldungen (100 + 200) von 300 Stück. | |
Erst ab einer Materialbedarf > 330 Stück (größer der verbrauchten Gesamtmenge) wird dann wieder über die Differenz eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt. | Bis zu einem Materialbedarf einer Gutmenge bis zu 300 Stück und Ausschussmenge bis zu 30 Stück wird keine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt. | |
| Die Ausschussmengen der Materialverbräuche werden bei den Auftrags-(teil-)endemeldungen nicht separat betrachtet. Solange die Gesamtmenge den Materialbedarf deckt, wird keine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt. | Die Gut- und Ausschussmengen der Materialverbräuche werden bei den Auftrags-(teil-)endemeldungen separat betrachtet. Sobald die Gutmenge oder die Ausschussmenge den Materialbedarf des Bereichs nicht deckt, wird eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt. | |
| Fazit: Variante 1 verbraucht 30 Stück weniger Material, da keine Unterscheidung zwischen "gutem" und "schlechtem" Materialverbrauch stattfindet. Variante 2 erkennt, dass die "schlechten" 30 Stück Materialverbrauch nicht für die Gutmenge der AT-Meldung zur Verfügung steht und meldet diese als retrograden Materialverbrauch. | ||
| Szenario B | Prozentualer Fertigungsausschuss spielt eine Rolle, wenn kein manueller Fertigungsausschuss angegeben wurde. Voraussetzungen: VRLP53.P5318: Parameter "Ausschuss in % bei retrograden Materialverbrauchsbuchungen" = '1' (Nur wenn kein Ausschuss angeben) Prozentuale Hinterlegung eines Fertigungsausschusses in der Materialposition: Ja | |
| Beispiel B1 | Prozentualer Fertigungsausschuss in der Materialposition: 10 % Keine manuelle Angabe Fertigungsausschuss bei G* und A*. Es werden zwei GT-Meldungen mit folgenden Mengen durchgeführt: 1) Gutmenge 100 Stück 2) Gutmenge 200 Stück | |
Zur ersten GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 110 Stück erzeugt. Zur zweiten GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 220 Stück erzeugt. Die anschließende AT-Meldung über eine Gutmenge von 330 Stück betrachtet bei der Entscheidung, ob eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt werden soll oder nicht, die Summe der verbrauchten Gesamtmenge der MT-Meldungen (110 + 220) von 330 Stück. Da die AT-Meldung mit einer Gutmenge von 330 Stück abgesetzt wurde, fehlt eigentlich kein Material. Da der Fertigungsausschuss in der Materialposition prozentual angegeben wurde, wird dieser auch von der AT-Meldung beachtet. | Die anschließende AT-Meldung über eine Gutmenge von 330 Stück betrachtet bei der Entscheidung, ob eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt werden soll die Summe der verbrauchten Gutmenge der MT-Meldungen (100 + 200) von 300 Stück. Da die AT-Meldung mit einer Gutmenge von 330 Stück abgesetzt wurde, fehlen also 30 Stück als Gutmenge, da diese nur als Ausschussmenge verbraucht wurden. | |
| Die Gesamtmenge der Materialverbräuche wird bei den Auftrags-(teil-)endemeldungen als Grundlage für den prozentualen Fertigungsausschuss genutzt. | Die Gut- und Ausschussmengen der Materialverbräuche werden bei den Auftrags-(teil-)endemeldungen separat betrachtet. Sobald eine der Mengen den Materialbedarf des Bereichs nicht deckt, wird eine retrograde Materialverbrauchsbuchung erzeugt. Hierbei wird dann aufgrund der prozentualen Hinterlegung eines Fertigungsausschusses in der Materialposition diese der verbrauchten Menge (Gutmenge) hinzuaddiert. | |
| Fazit: Wird der Fertigungsausschuss nicht manuell angegeben, sondern rein prozentual in der Materialposition hinterlegt, gibt es keinen Unterschied zwischen Variante 1 und 2. | ||
| Beispiel B2 | Prozentualer Fertigungsausschuss auf der Materialposition: 10 % | |
Für die erste GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 110 Stück erzeugt. Für die zweite GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 230 Stück erzeugt. Die anschließende AT-Meldung über eine Gutmenge von 350 Stück beachtet nicht, dass von der verbrauchten Gesamtmenge von 340 Stück, nur 300 als "gut" verbraucht wurden. Es wird aufgrund der prozentualen Hinterlegung dann lediglich eine retrograde Materialverbrauchsbuchung über 10 % von 350 Stück, also 35 Stück, plus den fehlenden 10 Stück (350 Stück minus 340 Stück), daraus folgend eine verbrauchte Menge von 45 Stück erzeugt. | Für die erste GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung über 110 Stück erzeugt. Für die zweite GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung über 240 Stück erzeugt. Die anschließende AT-Meldung über eine Gutmenge von 350 Stück betrachtet die aufgelaufene Summe der Gutmengen der GT-Meldungen. Für die 50 Stück Gutmenge werden 10 % als Ausschussmenge berechnet, was eine Gesamtmenge von 55 Stück ergibt. | |
| Beispiel B3 | ||
Für die erste GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 240 Stück erzeugt. Für die zweite GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 134 Stück erzeugt. | Für die erste GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 240 Stück erzeugt. Für die zweite GT-Meldung wurde eine retrograde Materialverbrauchsbuchung mit 110 Stück erzeugt. | |
| Szenario C | Mischung aus manueller Angabe und prozentualer Nutzung des Fertigungsausschuss bei G* und A* Voraussetzungen: VRLP53.VP5318: Parameter "Ausschuss in % bei retrograden Materialverbrauchsbuchungen" = '2' (Immer) Prozentuale Hinterlegung eines Fertigungsausschusses in der Materialposition: Ja Ggf. manuelle Angabe Fertigungsausschuss bei G* und A*. | |
| Beispiel C1 | Prozentualer Fertigungsausschuss auf der Materialposition: 10 % | |
Für die erste GT-Meldung wurde aufgrund der manuellen Angaben und der prozentualen Hinterlegung von 10 % eine verbrauchte Gesamtmenge der Materialposition von 121 Stück berechnet (110 Stück + 10 % = 121 Stück). Für die zweite GT-Meldung wurde aufgrund der manuellen Angaben und der prozentualen Hinterlegung von 10 % eine verbrauchte Gesamtmenge der Materialposition von 242 Stück berechnet (330 Stück + 10 % = 363 Stück abzüglich der bisher kumuliertem Materialverbrauch des Arbeitsgangs von 121 Stück = 242 Stück). Die AT-Meldung über eine Gutmenge von 363 Stück wird von dem bisher kumulierten Materialverbrauch der Materialposition komplett abgedeckt. | Für die erste GT-Meldung wurde aufgrund der manuellen Angaben und der prozentualen Hinterlegung von 10 % eine verbrauchte Gesamtmenge der Materialposition von 121 Stück berechnet (110 Stück + 10 % = 121 Stück). Für die zweite GT-Meldung wurde aufgrund der manuellen Angaben und der prozentualen Hinterlegung von 10 % eine verbrauchte Gesamtmenge der Materialposition von 242 Stück berechnet (330 Stück + 10 % = 363 Stück abzüglich der bisher kumuliertem Materialverbrauch des Arbeitsgangs von 121 Stück = 242 Stück). Die AT-Meldung über eine Gutmenge von 363 Stück wird von dem bisher kumulierten Materialverbrauch Gutmenge der Materialposition nur mit 300 Stück abgedeckt. Die Ausschussmenge mit 10 % aus den 63 Stück Gutmenge beträgt aufgerundet 7 Stück, was eine Gesamtmenge von 70 Stück ergibt. | |
| Die anschließende AT-Meldung über eine Gutmenge von 363 Stück beachtet nicht, dass von der verbrauchten Gesamtmenge von 363 Stück, nur 300 als "gut" verbraucht wurden. | Die anschließende AT-Meldung über eine Gutmenge von 363 Stück beachtet, dass von der verbrauchten Gesamtmenge von 363 Stück, nur 300 als "gut" verbraucht wurden. | |











