Allgemeines

Die verbrauchsgesteuerte Disposition ist eine relativ einfache Art, Teile zu disponieren. Bei Aufruf des entsprechenden Programms Unterdeckungsprüfung für verbrauchsgesteuerte Teile (DI53040) werden solche verbrauchsgesteuerten Teile daraufhin geprüft, ob sie in Unterdeckung geraten sind, d.h. ob die verfügbare Menge einen kritischen Wert (Prüfungsbasis, in der Regel: der Meldebestand) erreicht bzw. schon unterschritten ist, und gegebenenfalls werden Beschaffungsmaßnahmen eingeleitet.

Im Folgenden wird auch davon gesprochen, dass das Teil (ggf. auf der Lagergruppe) "Not leidend" ist, wenn es sich in einer Unterdeckungssituation befindet.

Damit ein Teil verbrauchsgesteuert disponiert werden kann, muss es einen Dispo-Schlüssel erhalten, der für die verbrauchsgesteuerte Disposition steht, d.h. bei dem Parameter 03 der Tabelle FRD482 mit "V" belegt ist. 

Die verfügbare Menge ist die Menge, die im Rahmen der Disposition als vorhanden gilt, auch wenn sie nicht notwendig aktuell physisch vorhanden sein muss. In der verbrauchsgesteuerten Disposition berechnet sich die verfügbare Menge auf der Grundlage des Dispositionsbestandes, der gegebenenfalls um bis zu vier weitere Angebotsbestände erhöht und/oder um bis zu vier weitere Nachfragebestände verringert werden kann:


Ob zusätzliche Angebots- bzw. Nachfragebestände berücksichtigt werden, entscheidet sich über Parameter 03 bzw. Parameter 04 der Vorlauftabelle VRLD16. In den Parametern 05 bis 08 bzw. 09 bis 12 sind die Nummern der zu berücksichtigenden Angebots- bzw. Nachfragebestandsfelder angegeben, deren Inhalt über die Tabelle FRD404festgelegt ist.

Der Bestellbestand und der Fertigungsauftragsbestand sollten als zusätzliche Angebotsfelder gewählt werden, da dann schon die in Bestellungen bzw. Fertigungsaufträge umgesetzten Vorschläge aus dem letzten Unterdeckungsprüfungslauf in die verfügbare Menge eingerechnet werden, so dass kein neuer (unnötiger) Vorschlag gemacht wird, wenn die Unterdeckungsprüfung das nächste Mal läuft, bevor die laufende Beschaffungsmaßnahme durch einen Lagerzugang abgeschlossen ist.

Der Dispositionsbestand und gegebenenfalls zusätzliche Angebots- bzw. Nachfragebestände sind bei Lagergruppendisposition die des Lagergruppensatzes, die Default-Werte werden hier nicht berücksichtigt.

In Abhängigkeit von Parameter 26 der Tabelle VRLD16 kann in die verfügbare Menge eines Teils auch die von seinem dispositiven Vorgänger einbezogen werden, wenn dieser im Teilestammsatz als solcher hinterlegt ist.

Die Prüfungsbasis ist der Bestand, gegen den in der Unterdeckungsprüfung die verfügbare Menge verglichen wird. In der Unterdeckungsprüfung werden die folgenden Bestände als Prüfungsbasis unterstützt:

  • Meldebestand
  • Sicherheitsbestand
  • Nullbestand.

Theoretisch ist der Meldebestand die einzig richtige Prüfungsbasis als ausschlaggebend zu berücksichtigen. 

Über den Parameter 25 der Vorlauftabelle VRLD16kann gesteuert werden, ob ein Teil schon dann als Not leidend angesehen werden soll, wenn die verfügbare Menge die Prüfungsbasis erreicht hat oder erst dann, wenn sie sie unterschritten hat.

Wird eine Lagergruppe im Rahmen der Unterdeckungsprüfung als Not leidend erkannt, wird vom System automatisch eine Beschaffungsmaßnahme initiiert. Dieses läuft in folgenden Schritten ab:

  1. Bedarfsmengenermittlung gemäß Losgrößenformel
  2. Vorschlagsmengenermittlung gemäß Losgrößenformel und Höchst-, Mindest- und Sprungmenge
  3. Vorschlagserstellung gemäß Beschaffungsschlüssel

Die Bedarfsmengenermittlung ist abhängig von der Dispositionsart und wird daher für die verbrauchsgesteuerte Disposition gleich im nachfolgenden Abschnitt behandelt, während die Vorschlagsmengenermittlung und Vorschlagserstellung bei verbrauchs- und dynamisch gesteuerten Teilen gleich läuft und daher bei der Ausgestaltung von Beschaffungsvorschlägen erläutert wird.

Im Falle der Unterdeckung werden Bestell- oder Fertigungsvorschläge erstellt; die spezielle Beschaffungsart über den internen Werksbezug (Transfervorschläge) wird aktuell in der verbrauchsgesteuerten Disposition nicht unterstützt. D.h. aus dem Unterdeckungsprüfungslauf für verbrauchsgesteuerte Teile resultierende Beschaffungsmaßnahmen sind entweder Bestell- oder Fertigungsvorschläge; sie erhalten als Kennung das Anwendungsgebiet "LBS".

Die Unterdeckungsprüfung für verbrauchsgesteuerte Teile kann zum einen als Echtlauf durchgeführt werden, bei dem die erstellten Vorschläge auch in die entsprechenden Vorschlagsdateien der Module Einkauf bzw. Produktion zur weiteren Verarbeitung gestellt werden. Zum anderen ist es aber auch möglich, nur einen Prüflauf zu starten, der im Prinzip dieselben Listen erzeugt, aber die auf dem Papier erstellten Vorschläge nicht an die entsprechenden Module weitergibt. 

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Möglichkeiten, den Programmlauf auf bestimmte Lagergruppen zu beschränken.

Üblicherweise läuft das Programm im Rahmen eines Tagesabschlusses, da die Unterdeckungsprüfung von ihrer Aufgabenstellung her arbeitstäglich durchzuführen ist.


Bedarfsmengenermittlung

Ist bei einer Lagergruppe erkannt worden, dass der Unterdeckungsfall gegeben ist, dass es also Zeit für eine Beschaffungsmaßnahme ist, wird gemäß Losgrößenformel eine Bedarfsmenge (Losgröße im weiteren Sinne) ermittelt.
In der verbrauchsgesteuerten Disposition gibt es die folgenden Bedarfsmengenermittlungsarten:

  • Höchstmenge
  • Mindestmenge
  • Standard
  • Prüfungsbasis auffüllen
  • Andlerformel.


Bedarfsmenge "Höchstmenge"

Bei der Losgrößenformel "Höchstmenge" wird die Bedarfsmenge nach dem Default-Wert berechnet.

Eine gegebenenfalls im Lieferantenteilestamm hinterlegte Höchstmenge hat keinerlei Auswirkung auf die Bedarfsmengenermittlung.
Für diese Art der Bedarfsmengenermittlung muss der Parameter 02 (interner Losgrößenschlüssel) in der Tabelle FRD485 mit "H" belegt sein. Sie kann immer dann gewählt werden, wenn eine fixe Menge beschafft werden soll.


Bedarfsmenge "Mindestmenge"

Bei dem Losgrößenschlüssel "Mindestmenge" wird die Bedarfsmenge nach dem Default-Wert berechnet.

Eine gegebenenfalls im Lieferantenteilestamm hinterlegte Mindestmenge hat keinerlei Auswirkung auf die Bedarfsmengenermittlung.
Für diese Art der Bedarfsmengenermittlung muss Parameter 02 (interner Losgrößenschlüssel) in Tabelle FRD485 mit "M" belegt sein. Sie kann immer dann gewählt werden, wenn eine fixe Menge beschafft werden soll.


Bedarfsmenge "Standard"

Bei dem Losgrößenschlüssel "Standard" wird die Bedarfsmenge auf Grund des durchschnittlichen Wochenverbrauchs und der Länge des maximalen Eindeckungszeitraums berechnet.
Damit der Lagerbestand nicht überhöht wird, ist folgende Differenzierung implementiert:

  • Zum Zeitpunkt der Unterdeckungsprüfung gilt:
    Verfügbare Menge <= (bzw. <) Prüfungsbasis
    und Verfügbare Menge >= Prüfungsbasis - Sicherheitsbestand
    Dann ergibt sich:
  • Zum Zeitpunkt der Unterdeckungsprüfung gilt:
    Verfügbare Menge < Prüfungsbasis - Sicherheitsbestand
    Dann ergibt sich:

Der Unterschied besteht darin, dass im ersten Fall der Sicherheitsbestand nicht auch in die Bedarfsmenge einfließt, weil die Unterdeckungssituation hinreichend früh erkannt wurde, so dass bei planmäßigem Lagerzugang der Sicherheitsbestand ohnehin noch auf Lager liegt. Im zweiten Fall hingegen ist die Unterdeckung schon so weit fortgeschritten, dass der Sicherheitsbestand schon aufgebraucht sein wird, wenn der neue Lagerzugang erfolgt, so dass dieser schon gleich mit in die Bedarfsmenge aufgenommen ist.
Für diese Art der Bedarfsmengenermittlung muss Parameter 02 (interner Losgrößenschlüssel) in Tabelle FRD485 mit "S" belegt sein.


Bedarfsmenge "Prüfungsbasis auffüllen"

Bei dem Losgrößenschlüssel "Prüfungsbasis auffüllen" wird die Bedarfsmenge wie folgt ermittelt:

Für diese Art der Bedarfsmengenermittlung muss der Parameter 02 (interner Losgrößenschlüssel) in Tabelle FRD485 auf "F" stehen. Sie kann immer dann gewählt werden, wenn nur so viel wie nötig beschafft werden soll.


Bedarfsmenge "Andlerformel"

Die Andlerformel ist der mathematisch begründete Kompromiss zwischen den gegenläufigen Strömungen, nach denen im Hinblick auf die losgrößenfixen Beschaffungskosten möglichst selten eine möglichst große Menge (Los), aber im Hinblick auf die Kapitalbindung (Lagerbestände) lieber sehr oft sehr kleine Mengen beschafft werden sollten. 
Die Andlerformel beruht auf den folgenden Prämissen:

  • Es gibt einen vorgegebenen Planungszeitraum, für den die Beschaffungsmengenpolitik ermittelt werden soll
  • Die Beschaffungsmenge ist jeweils gleich hoch
  • Der Planungszeitraum ist ein ganzzahliges Vielfaches der Losgrößenreichweite (= Zeitraum von Lagerauffüllung bis Verbrauch des Loses)
  • Der Bedarf verläuft gleichmäßig, so dass sich in Verbindung mit oben stehender Prämisse ein durchschnittlicher Lagerbestand in Höhe von "Losgröße / 2" ergibt
  • Es gibt einen Zinssatz, mit dem das gebundene Kapital multipliziert wird, um die Kapitalbindungskosten zu erhalten
  • Das Problem der optimalen (= gesamtkostenminimalen) Losgröße wird einfach durch Anwendung entsprechender Methoden der Differentialrechnung gelöst; etwaige Verletzung von Ganzzahligkeitsrestriktionen werden vernachlässigt.

Das im Mittel gebundene Kapital, die Kapitalkosten und die Beschaffungskosten werden wie folgt berechnet: 


Die folgenden Größen müssen eingebracht sein:

GrößenBeschreibung

Stückpreis = "p"

Genauer Preis pro lagerführender Mengeneinheit. Abzulegen in Tabelle FRD485, Parameter 10.
Es wird nur der Preis aus dem Teilestammwertesegment berücksichtigt.

Jahreszinssatz in Prozent = "z"

Jahreszinssatz in Prozent für die Ermittlung der Kapitalbindungskosten, abzulegen in Tabelle FRD485, Parameter 08.
Bezieht sich der Gesamtbedarf nicht auf ein ganzes Jahr, wird der Zinssatz anteilsmäßig berücksichtigt.

Losgrößenfixe Beschaffungskosten = "b"

Losgrößenfixe Beschaffungskosten je Beschaffung, abzulegen in Tabelle FRD485, Parameter 09.

Gesamtbedarf = "G"

Gesamtbedarf, berechnet sich aus der Länge des maximalen Eindeckungszeitraumes und des durchschnittlichen Wochenverbrauches.



Dann ergibt sich die optimale Losgröße x:


Für diese Art der Bedarfsmengenermittlung muss der Parameter 02 (interner Losgrößenschlüssel) in Tabelle FRD485 mit "A" belegt sein. 


Beispiel:
Maximale Eindeckungszeitraum: 50 Arbeitstage; => entspricht 1/5 Jahr
Durchschnittlicher Wochenverbrauch: 10 Stkück
Losgrößenfixe Beschaffungskosten: 10,- €
Stückpreis = 8,- €
Zinssatz: 10 %
Gesamtbedarf(G) = max. Eindeckungszeitraum * durchschnittlicher Wochenverbrauch / 5
G = 50 * 10 / 5 = 100 Stkück 
Anteiliger Zinssatz(z) = 10% * 1/5 = 2%

Sonderfälle

In den beiden Sonderfällen, in denen die auf Grund des Losgrößenschlüssels ermittelte Bedarfsmenge kleiner gleich Null oder gleich dem größten eingebbaren Wert (99.999.999,999) ist, wird unabhängig vom Losgrößenschlüssel die Prüfungsbasis als Bedarfsmenge genommen, wenn diese größer als Null ist, andernfalls der spezielle Wert 1.
Gleichzeitig wird ein Satz in die Mailbox geschrieben, da dieser Fall dafür spricht, dass relevante Daten gar nicht oder fehlerhaft gepflegt sind.


Veranschaulichung

Für die verbrauchsgesteuerte Disposition wird der Idealfall eines konstanten Verbrauchs angenommen, so dass sich die Entwicklung des Lagerbestandes wie folgt darstellt (Prüfungsbasis = Meldebestand, verfügbare Menge = Lagerbestand): 

 
Im Idealfall eines konstanten Verbrauchs baut sich der Lagerbestand linear ab. Zum Zeitpunkt t ist der Meldebestand erreicht, zum Zeitpunkt s wird die Unterdeckung durch das Unterdeckungsprüfungsprogramm entdeckt und ein Vorschlag erstellt. Die Bedarfsmenge wird hier nach Losgrößenschlüssel "Standard" ermittelt. Bei planmäßigem Lagerzugang zum Zeitpunkt S hat das Lager (fast) wieder seinen vollen Bestand, der inklusive des Sicherheitsbestandes bei unverändertem durchschnittlichem Wochenverbrauch für die Länge des maximalen Eindeckungszeitraums (fast) ausreicht. Im Falle "s=t", d.h. genau zum Zeitpunkt t läuft das Unterdeckungsprüfungsprogramm und reagiert auf das Erreichen des Meldebestandes, erreicht bei sonst gleichen Bedingungen der Lagerbestand zum Zeitpunkt T seine volle Höhe.


Protokolllisten

Über die im Laufe der Unterdeckungsprüfung tatsächlich oder nur zur Information erstellten Beschaffungsvorschläge gibt es jeweils eine Liste für fremdbezogene und eine für eigengefertigte Teile mit den relevanten Informationen. Die Reihenfolge, in der die Vorschläge auf den Listen erscheinen, erfolgt innerhalb einer Lagergruppe nach der gewählten Zugriffsart.

Echte Vorschläge, also Vorschläge, die auf Grund einer festgestellten Unterdeckung erstellt worden sind, erhalten auf den Listen als Kennzeichnung ein "E". Andere Kennzeichen werden im Zusammenhang mit der Bestandsüberwachung und der vorausschauenden Liste vergeben.

Die Listen können in einer Kurzfassung oder in einer ausführlichen Form erstellt werden. Die diesbezügliche Steuerung verbirgt sich hinter dem Parameter "Vorschlagslistensteuerung" im Programm Unterdeckungsprüfung verbrauchsgest. Teile (Bestellpunktprüfung) (DI53040).


Zusatzfunktionen

Zusätzlich zu der oben dargestellten Unterdeckungsprüfung für verbrauchsgesteuerte Teile gibt es flankierende Funktionen, die zum einen der Sicherstellung der Lieferbereitschaft und zum anderen der umfassenden Information dienen.


Bestandsüberwachung

Die Unterdeckungsprüfung basiert darauf, dass die Wiederbeschaffungszeit, der durchschnittliche Wochenverbrauch und der darauf aufbauende Sicherheits- und Meldebestand richtig gepflegt sind. Weicht der tatsächliche Verbrauch vom durchschnittlichen Wochenverbrauch stark ab oder verzögern sich Lieferungen, kann es passieren, dass das Lager leer läuft, ohne dass das Teil in der Unterdeckungsprüfung auffällt. 

Um dies zu verhindern, kann zusätzlich zu der Unterdeckungsprüfung eine Bestandsüberwachung mitlaufen. Hier wird analog zu der Unterdeckungsprüfung über Parameter der Vorlauftabelle VRLD24eine Menge definiert, die mit einer ebenfalls dort hinterlegten Bezugsgröße verglichen wird.

Z.B. könnte die Bestandsüberwachung so erfolgen, dass die Menge (Dispositionsbestand minus Verkaufsauftragsbestand minus Fertigungsreservierungsbestand) gegen den Sicherheitsbestand geprüft wird.

Auf diese Art kann rechtzeitig absehbaren Engpässen entgegengesteuert werden.

Die Bestandsüberwachung kann im Aufrufprogramm zur Unterdeckungsprüfung ein- bzw. ausgeschaltet werden. Bei Aufruf des Programms wird dieser Parameter aus der Vorlauftabelle VRLD24 mit einem Default vorbesetzt.

Ist ein Teil in Unterdeckung, erhält der Vorschlag das Kennzeichen "E" auf der Liste. Fällt das Teil gleichzeitig im Zusammenhang mit der Bestandsüberwachung auf, bekommt es noch zusätzlich das Kennzeichen "S". 

Ist ein Teil in der Bestandsüberwachung auffällig, aber nicht im Sinne der Unterdeckungsprüfung Not leidend, wird auch ein entsprechender Vorschlag mit dem Kennzeichen "S" gedruckt; über Parameter 14 in der Vorlauftabelle VRLD24kann festgelegt werden, ob so ein Vorschlag auch an das entsprechende Modul Einkauf bzw. Produktion übergeben werden soll.


Vorausschauende Liste

Die vorausschauende Liste informiert über Teile, die aktuell noch nicht in Unterdeckung sind, aber innerhalb eines vorzugebenden Rahmens demnächst Not leidend sein werden. Die Liste dient dazu, den kommenden Beschaffungsbedarf abschätzen zu können oder aber auch die Teile zu bestimmen, die sinnvollerweise schon gleich mitbeschafft werden können, um bessere Konditionen zu erhalten.

Der im Programm Unterdeckungsprüfung verbrauchsgest. Teile (Bestellpunktprüfung) (DI53040) vorzugebende Rahmen kann auf zwei Weisen abgesteckt werden:

  • Abweichung in %
    Wird eine Zahl > 0 angegeben, muss das Teil folgende Voraussetzungen erfüllen, um auf die vorausschauende Liste zu kommen:
    - Die verfügbare Menge muss größer gleich der bzw. größer als die Prüfungsbasis sein (siehe auch Tabelle VRLD16, Parameter 24); d.h. das Teil darf noch nicht im Unterdeckungsfall sein.
    - Die verfügbare Menge muss kleiner gleich (Prüfungsbasis * (Abweichung + 100 ) / 100) sein. d.h. die verfügbare Menge übersteigt die Prüfungsbasis höchstens um den angegebenen Prozentsatz.
  • Abweichung in Tagen
    Wird eine Zahl > 0 angegeben, muss das Teil folgende Voraussetzungen erfüllen, um auf die vorausschauende Liste zu kommen:
    - Die verfügbare Menge muss größer gleich der bzw. größer als die Prüfungsbasis sein (siehe auch Tabelle VRLD16, Parameter 25) ); d.h. das Teil darf noch nicht im Unterdeckungsfall sein.
    - Die verfügbare Menge muss im angegebenen Zeitraum unter die Prüfungsbasis fallen, d.h. in Unterdeckung geraten. Voraussetzung dafür ist, dass der durchschnittliche Verbrauch > 0 ist. Weiterhin wird angenommen, dass der momentane Verbrauch konstant bleibt.


Bei der Angabe der Abweichung in Prozent oder Tagen können beide Werte angegeben werden. D.h. auch wenn nur eine der beiden Bedingungen erfüllt wird, sind die Bedingungen für den Druck des Teils auf der vorausschauenden Liste erfüllt.

Die so entstehenden vorausschauenden Vorschläge haben auf der Liste das gleiche Erscheinungsbild wie die aus der eigentlichen Unterdeckungsprüfung gewonnenen Vorschläge; sie werden aber nie an die entsprechenden Module Einkauf bzw. Produktion weitergegeben, sondern dienen nur der Information.

Die vorausschauenden Vorschläge können entweder auf eigenen Listen (eine für Fremdbezug, eine für Eigenfertigung) oder aber in Protokolllisten integriert ausgegeben werden. Sie erhalten als entsprechendes Kennzeichen ein "V".

Die Vorgabe, ob und wenn ja, wie vorausschauende Vorschläge erstellt werden sollen, wird auf der Leitdatenmaske vorgegeben; Defaultwerte sind in der Vorlauftabelle VRLD16zu hinterlegen.

Zusätzliche Listeninformationen

Über den Parameter "Vorschlagslistensteuerung" im Aufrufprogramm sind zwei weitere Informationsmöglichkeiten gegeben, nämlich "Verursacher" und "Statistikzahlen".

Als Verursacher werden für ein Teil bis zu einer maximalen Anzahl alle Vorgänge gedruckt, die die Angebots- und Nachfragesituation des Teils (ggf. auf der entsprechenden Lagergruppe) beeinflussen, sofern sie in der verbrauchsgesteuerten Disposition relevant sind. Genauer gesagt, werden für ein Teil laufende Bestellungen, Verkaufsaufträge, Fertigungsaufträge, Fertigungsplanaufträge, Reservierungen für Fertigungs- und Fertigungsplanaufträge in der Reihenfolge aufsteigenden Dispositionsdatums gedruckt. Somit stehen die als nächstes anstehenden Vorgänge oben an. Die maximale Anzahl der auszugebenden Verursacher pro Teil ist in Parameter 17 der Tabelle VRLD24 hinterlegt.

Um den zukünftigen Bedarf besser abschätzen zu können, können aus der Statistikdatei bezogene Daten auf der Liste ausgegeben werden, wenn das Modul Statistik installiert ist. Z.B. können dann die Verkaufszahlen des auffälligen Teils für die letzten drei Jahre hinzugefügt werden. Welche Art von Daten aus der Statistikdatei gedruckt werden sollen, wird über die Parameter 05 und 06 der Tabelle FRD493 gesteuert. 

Parameter 02 von Tabelle FRD493 legt fest, wie viele Perioden in die Vergangenheit zurückgegangen werden soll. Die Darstellung erfolgt nach folgendem Schema (AP-00= Aktuelle Periode, AP-01= Vorperiode, usw.):

...

...

...

...

...

...

...

...

...

AP-35

AP-34

AP-33

AP-32

...

AP-27

AP-26

AP-25

AP-24

AP-23

AP-22

AP-21

AP-20

...

AP-15

AP-14

AP-13

AP-12

AP-11

AP-10

AP-09

AP-08

...

AP-03

AP-02

AP-01

AP-00

Durch horizontales Lesen von links nach rechts erhält man so einen Überblick über die Entwicklung von jeweils zwölf Perioden; durch vertikales Lesen von oben nach unten die Entwicklung der jeweiligen Periode über die Jahre hinweg.


Behandlung von alten Vorschlägen

Die Unterdeckungsprüfung kann im Prinzip beliebig oft aufgerufen werden. Solange ein Vorschlag nicht in eine echte Beschaffungsmaßnahme übernommen wird, bleibt das Teil Not leidend, so dass bei der nächsten Unterdeckungsprüfung wieder ein Vorschlag erstellt werden würde. Damit keine Vorschläge redundant im System stehen, ist die folgende Löschmimik realisiert:

Vorschläge mit einer Referenzauftragsnummer, also Vorschläge, die im Zuge von Einzelplanungen erstellt wurden, bleiben in jedem Fall unberührt.

Vorschläge, die aus der Unterdeckungsprüfung für verbrauchsgesteuerte Teile stammen, also das Modul"Lager" haben, und schon fixiert oder freigegeben sind, können vor der Löschung bewahrt werden, wenn Parameter 20 beziehungsweise Parameter 21 der VRLD16 entsprechend eingestellt sind. Die auf diese Weise nicht gelöschten Vorschläge werden dann bei der Ermittlung der verfügbaren Menge gegebenenfalls zu dem Bestell- beziehungsweise Fertigungsauftragsbestand hinzugerechnet.

Ansonsten werden alle Vorschläge aus den Vorschlagsdateien gelöscht, die

  • sich auf ein zu prüfendes Teil beziehen und
  • das Modul "Lager" oder "Disposition" haben, d.h. durch die Unterdeckungsprüfung für verbrauchsgesteuerte oder dynamisch gesteuerte Teile erstellt worden sind und ggf.
  • bei Lagergruppendisposition auf einen Lagerort lauten, der zu der zu prüfenden Lagergruppe gehört.

Dadurch, dass nicht nur Vorschläge des Moduls "Lager" sondern auch die mit "Disposition" gelöscht werden, bleiben beim Wechsel des Dispositionsverfahrens von "dynamisch gesteuert" auf "verbrauchsgesteuert" keine alten Vorschläge stehen.

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